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Zum Nutzen der Forschung

"Seit der Mensch die Frucht vom Baum der Erkenntnis gekostet hatte (sozusagen die >>Erbsünde<< begangen hatte), bediente er sich der gewonnenen Erkenntnis, um zu versuchen, sich einen Weg zurück ins Paradies zu bahnen." [1, S.380f]

 

Dieser Artikel basiert zum größten Teil auf dem gleichnamigen Essay von Anton Zeilinger in der Zeitschrift heureka! (Ausgabe 4/2000) [2] und stellt eine Zusammenfassung sowie Erweiterung der dort vorgestellten Ideen dar.

Das primäre Motiv der Forschung ist die Vergrößerung unseres Wissens ganz im Gegensatz zur Erarbeitung technologischer Nutzanwendungen. Der Antrieb der Forschung erfolgt damit allein durch die NEUGIERDE des Menschen.

Allgemein erhält die Forschung ihre Relevanz in der Gesellschaft durch die Anwendung des von ihr "produzierten" Wissens. Daraus erschließt sich im Glauben der Öffentlichkeit zumeist auch ihre Daseinsberechtigung - andere Forschung soll demnach die Ausnahme bleiben. Allerdings ist es die Grundlagenforschung - die im Prinzip ausschließlich die Wissensvermehrung ohne primäre Anwendbarkeit verfolgt - welche das Wissen über die Welt in der wir leben bereitstellt. Damit fördert sie die Identifikation mit uns selbst als Menschen und unserer Umwelt. Darüber hinaus basiert jedoch auch der Großteil der Technologie auf der Grundlagenforschung. Das Problem besteht allerdings darin, dass man im Allgemeinen zu Beginn eines Forschungsprojektes diese Nutzanwendungen nicht abschätzen oder gar erwarten kann. Sie ergeben sich zumeist auch erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt (nach Abschluss der Forschungsarbeiten). Auf diese Weise tragen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Grundlagenforschung ebenso wie Ingenieure und Techniker zu einer Erleichterung unseres Lebens bei (z.B. Transportmittel, Maschinen) oder erfüllen grundlegende gesellschaftliche Bedürfnisse (z.B. Kommunikationmedien).

Aufgrund ihrer Eigenschaften kann sich die Grundlagenforschung allerdings nicht aus sich selbst heraus finanzieren, sondern benötigt die öffentliche Förderung. Geldgeber dieser Forschungsart sind daher zu circa 90% Institutionen, beispielsweise das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) oder die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG). In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass Entscheidungen über eine Förderung nicht auf der Grundlage der Anwendungsmöglichkeiten der erwarteten neuen Erkenntnisse getroffen werden.
Ich möchte hierzu das von Anton Zeilinger angeführte Beispiel aufgreifen: In dem Gutachten zum Förderungsantrag des Heinrich Rudolph Hertz (1857-1894) für den Nachweis elektromagnetischer Wellen bei der damals Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften wurden die Färderleistungen bewilligt. Es soll jedoch die Bemerkung angefügt worden sein: "obwohl es nie zu einer praktischen Anwendung kommen wird." Dabei kann sich heute kam jemand mehr ein Leben ohne Rundfunk, Fernsehen oder Handy vorstellen.
Dieses Beispiel zeigt auch, dass man gleichwohl keine einheitlichen, eindeutigen Kriterien für Förderentscheidungen festlegen kann. So bleibt also weiterhin das Vertrauen in Gespür und Instinkt der an einer solchen Entscheidung beteiligten Wissenschaftler. Dieses Vorgehen macht den Entstehungsprozess eines wissenschaftlichen Projektes damit aber nicht falsch oder fragwürdig, sondern nur wiederrum etwas menschlicher.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch ein direkter Zusammenhang zwischen den Ausgaben in Bezug auf die Forschungsförderung und der erfolgten "Wissenschaftsleistung". Besagte "Wissenschaftsleistung" wird heutzutage vor allem an der Anzahl der Publikationen von Forschern und Zitaten ihrer Arbeiten in anderen Werken in Zusammenhang gebracht. Die vom BMBF herausgegebenen Statistiken zeigen den linearen Zusammenhang zwischen den Forschungsausgaben verschiedener Länder und der "Leistung" ihrer Wissenschaftler (gemessen anhand der Publikationen). Deutschland und der EU-Durschnitt bilden hierbei ein gutes Mittelmaß. Dies bedeutet, dass die Investitionen in Wissenschaftler und Wissenschaft in gleichem Maße zu einer höheren "Wissenschaftsleistung" führen.

Die auf dieser Erkenntnis beruhende Verknüpfung zwischen Forschung und Entwicklung und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Landes erkannte bereits 1883 Werner von Siemens: "Die naturwissenschaftliche Forschung bildet immer den sicheren Boden des technischen Fortschritts. Und die Industrie eines Landes wird niemals eine international leitende Stellung erwerben und sich halten können, wenn das Land nicht gleichzeitig an der Spitze des naturwissenschaftlichen Fortschritts steht." [2]

Forschung ist letztendlich aber auch ein Teil unserer Kultur, Gesellschaft und menschlichen Identität ebenso wie Musik, Theater, Literatur und so fort. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Ansicht nicht nur unter den Wissenschaftlern selber, sondern auch in der Gesellschaft allgemein durchsetzt. Die Forschung selber kann hierbei durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit ihren Beitrag leisten sich im Bewusstsein der Allgemeinheit zu etablieren.

 

 

 

Literatur:

[1] Adler, Ken. Das Maß der Welt. Die Suche nach dem Urmeter. 1. Auflage. C. Bertelsmann Verlag. München. 2003.

[2] Zeilinger, Anton. Zum Nutzen der Forschung. Zeitschrift heureka!. Ausgabe 4/2000. URL=<http://www.falter.at/heureka/archiv/00_4/03nutzen.htm>, 16.01.2004.

[3] Bundesministerium für Bildung und Forschung. Technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands 2002. Leistungsfähigkeit der Wissenschaft. URL=<http://www.technologische-leistungsfaehigkeit.de/_htdocs/tlf_123.php>, 16.01.2004.

 

 

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