fasten your seatbelt
Geschichte
        Werbung  Mitglied beim page2page- Bannertausch Werbung
Mitglied bei page2page


Der 1. Kreuzzug (1096 - 1099) - Kampf für den wahren Glauben ?!

Was ist ein Kreuzzug?

Bevor man sich genau mit den Kreuzzügen beschäftigt, muss ersteinmal geklärt werden was ein Kreuzzug überhaupt ist.

Im allgemeinen versteht man darunter die im Mittelalter stattfindenden kirchlichen Feldzüge gegen die Feinde des christlichen Glaubens. Sie richteten sich vorallem nach Vorderasien wo sich der Großteil der von den Seldschuken (türkischer Volksstamm) und den Sarazenen (arabischer Volksstamm) besetzten Heiligen Stätten befinden. Den 1. Kreuzzug und vielleicht auch noch den 2. Kreuzzug kann man auch als bewaffnete Wallfahrten in die Heilige Stadt Jerusalem bezeichnen. Doch Jerusalem ist nicht nur die Heilige Stadt der Christen sondern auch der Juden und Mohammedaner. Das ist das eigentliche Problem was bis heute noch nicht vollständig geklärt ist. Für die Kreuzfahrer war die Nationalität der Nicht-Christen völlig egal. Diesen Umstand bekamen vorallem die europäischen Juden zu spüren. Sie wurden gnadenlos als Ketzer gejagt und ermordet. Sie waren die idealen Sündenböcke für alles was sich negativ auswirkte (Missernten, Stadtbrände und die Pest). Nicht zuletzt waren mit den Kreuzzügen auch persönliche Interessen der einzelnen Fürsten, Bischöfe und natürlich des Papstes verbunden. Anfangs stand vielleicht noch der Dienst für Gott und für den christlichen Glauben im Vordergrund, später aber rückten rein weltliche Ziele in den Vordergrund: Macht, Grundbesitz, Anerkennung und auch Reichtum. Eigentlich standen die Kreuzzüge im Widerspruch zur Ideologie der römisch-katholischen Kirche, die ja eigentlich den Krieg oder zumindest das Töten von Menschen (mal abgesehen von Ketzern und dergleichen) ablehnt. Ursprünglich war es auch tatsächlich so. Doch als der Heilige Augustinus drei Grundlagen festlegte, die es gestatteten nicht nur in Gegenwehr Gewalt anzuwenden sondern auch zur Wiederherstellung einer verlorenen Ordnung war der Weg für die Kreuzzüge zumindest geebnet. Es musste 1.) ein gerechter Grund vorliegen; 2.) eine rechte Absicht musste vorhanden sein; und 3.) die richtige politische Autorität (für Kriegserklärung und Kriegsführung), denn einen Krieg zu führen traute sich die Kirche dann doch nicht zu. Mit dieser natürlich nicht zweifelsfreien Rechtfertigung und dank Gottes Segen war man zunächst moralisch bestens für die Kreuzzüge gerüstet.

Die Umstände des 1. Kreuzzuges

Hier sei nur angemerkt, das man sich zu jener Zeit in der Blüte des Hochmittelalters befand. Die Technik machte langsam Fortschritte, sodass auch das Militär davon profitierte (Rammbock, Steinschleuder und Belagerungstürme). Auf der anderen Seite war die Kirche die Allmacht schlechthin und die Menschen lebten in tiefer Gottgläubigkeit. Das ganze Leben war auf die Kirche und den Dienst an Gott ausgerichtet. Was in Gottesnamen geschah war unbedingt richtig und nicht zweifelhaft. Doch gab es auch ein ganz anderes Problem, was zur Bedrohung der europäischen Kultur heranwuchs: die Ausbreitung des Islam. Besonders Spanien war den Arabern ausgesetzt, doch 1085 mit der Rückeroberung der maurischen Hauptstadt Toledo durch katalanische und französische Ritter begann erfolgreich die "Reconquista", die Rückeroberung der seit 711 an den Islam verlorenen Gebiete.

Die Ursachen des 1. Kreuzzuges

Zunächst einmal herrschten im mitteleuropäischen Raum Adelsfehden vor. Jene rechtlich gestatteten Privatkriege der Adelssippen um immer mehr Landbesitz trugen nun nicht gerade zum Fortschritt und zur Weiterentwicklung bei. Die Leidtragenden waren wie so oft die einfachen Bauern die jeden Tag fürchten mussten, das ihr Feld oder ihre Ernte vernichtet wurde. Hinzu kamen wechselnde Landesherren die unterschiedliche Abgaben verlangten. Papst Urban II. wollte diesen Missstand nun endlich beenden indem er den Frieden im Inneren (Gottesfrieden) und Krieg nach Außen forderte. Doch er verfolgte noch ein weit höheres Ziel. Die römisch-katholische Kirche war seit 1054 gespalten: in die Orthodoxen und die Katholiken. Also in eine Ostkirche (Byzanz) und eine Westkirche (Rom). Durch einen Kreuzzug, so hoffte Urban II., könne man diese Teilung (Schisma) überwinden, die Orthodoxen zumindest wieder dem Papst unterstellen und der Kirche zu neuer Macht zu helfen. Diese Idee war keineswegs neu, schon Papst Gregor VII träumte davon ins Heilige Land zu ziehen. Doch musste er seine Pläne letztendlich aufgeben, da er sich voll und ganz dem Machtkampf mit Heinrich IV. widmen musste. Nicht zuletzt sei auch der materielle Anreiz und die Abenteuerlust erwähnt die die Kreuzfahrer ins Gelobte Land lockten.

Der Auslöser des 1. Kreuzzuges

Die Türken (Seldschuken-türk. Volksstamm) waren eine ständige Gefahr mit der man vorallem im Mittelmeerraum und in Kleinasien rechnen musste. Hier breiteten sie sich auch schnell aus. So kommt 1040/55 Persien und Mesopotamien unter ihre Kontrolle. Schließlich fällt 1071 bei Manzikert am Euphrat die Entscheidung: die Seldschuken besiegen den byzantinischen Kaiser Romanos IV. Dies hat zur Folge, das sich ein Großseldschukisches Reich in Kleinasien bildete. Der byzantinische Kaiser Alexios Komnenos kann sich der türkischen Gefahr nur schwerlich erwehren und kommt immer mehr in Bedrängnis. So sendet er einen Boten zum Papst aus, mit der Bitte um militärische Unterstützung gegen die Türken. Schließlich sei es ein gemeinsames Ziel von Katholiken und Orthodoxen die Heiligen Stätten von den heidnischen Einflüssen zu befreien. Als der Bote 1095 Rom erreicht liest Papst Urban II. die Nachricht mit Freuden. Endlich ist die Chance für einen Kreuzzug da. Begeistert stimmt er dem Bittgesuch zu, auch wenn es ihm weniger darum ging Byzanz von den Türken zu befreien, als vielmehr die Araber aus dem Heiligen Land zu werfen und in Jerusalem einzuziehen. Die Gunst der Stunde nutzend, ruft er im November 1095 die Synode von Clermont (eigentlich Clermont-Ferrand) in Frankreich zusammen.

Die Synode von Clermont

Papst Urban II ist begeistert, endlich ist die Chance gekommen der Kirche neuen Auftrieb zu geben und gleichzeitig auch ihre Stärke zu präsentieren. So ist es auch kein Wunder, das sich seine "Besessenheit" auf seine Zuhörer in Clermont überträgt. Unter freiem Himmel hält der Papst eine flammende Rede, die auch den letzten Zweifler im Publikum überzeugt. Das ist natürlich verständlich, da es sich ja größtenteils um geistliche Zuhörer wie Bischöfe und Äbte handelt. Es waren aber auch viele Fürsten und Laien niedrigeren Ranges anwesend. In seiner Rede macht der Papst unmissverständlich die Bedrohung des Christentums durch den Islam deutlich und fordert die Massen zum Kreuzzug in das Heilige Land, zur Befreiung Jerusalems und des Heiligen Grabes sowie aller unterdrückten Christen auf. Die Massen sollten diesem Aufruf einig folgen. Schon Jahre vorher waren einfache Bauern und Tagelöhner dem Aufruf des Peter von Amiens gefolgt, um nach Jerusalem zu ziehen. Doch dieser Bauernkreuzzug brachte nur Zerstörung und Verwüstung, die schon in Deutschland begannen. Vorallem aber die deutschen Juden wurden rücksichtslos niedergemetzelt. Die Bauernheerschar sollte Jerusalem nie erreichen, sie wurde vorher von einem türkischen Heer aufgerieben. Aber Papst Urban II will nun alles besser machen. Er verspricht den Kreuzfahrern für ihre Teilnahme die Vergebung all ihrer Sünden und den Einzug ins Paradies, fordert im Gegenzug aber auch Gehorsam und einen unerbittlichen Kampf gegen alle Nicht-Christen und für die gerechte Sache Gottes.

1096 - der 1. Kreuzzug beginnt

Es sind vorallem französische Ritter die sich maßgeblich am Heeresaufgebot beteiligen. So befehligt Rainmund, Graf von Toulouse die Truppen aus Südfrankreich, der Provence und des Languedoc. Gottfried von Bouillon und sein Bruder Balduin von Boulogne stehen an der Spitze der niederlothringischen und der nordfranzösischen Truppen. Flandern wird von Robert von Flandern angeführt. Ein kleines aber hochgerüstetes Heer stellt der Normanne Bohemund von Tarent zusammen mit seinem Neffen Tancred. Der Gesandte des Papstes, Bischof Adhemar von Puy, hat die Aufgabe den gesamten Kreuzzug zu überwachen und falls nötig Recht zu sprechen, da es sich ja um einen Feldzug der Kirche handelt und somit Kirchenrecht gilt. Außerdem wird er dem Papst regelmäßig Bericht erstatten. Im Jahr 1097 erreicht der Zug endlich Konstantinopel. Mittlerweile hegt der byzantinische Kaiser aber ernsthafte Zweifel daran, ob dieses relativ großes Heer wirklich nur gekommen ist um ihn aus seiner misslichen Lage zu helfen oder ob nicht vielleicht mehr dahinter steckt. Daraufhin lässt er sich von den Kreuzfahrern den Lehnseid auf die zurückzuerobernden Gebiete schwören, um so einen späteren Konflikt, was die Besitzrechte angeht, auszuschließen. Danach zieht der Heereszug nach Dorylaion weiter. Unterwegs wird eine kleine Gruppe seldschukischer Söldner von den Kreuzfahrern überrannt, somit ist der Weg nach Kleinasien frei. Am 19.06.1097 wird den Seldschuken die Stadt Nicaea nach der Schlacht bei Dorylaion abgenommen. Die Kreuzfahrer ziehen über das anatolische Hochland weiter. Doch hier werden erneut die Nachteile der schweren Ritterrüstungen deutlich, die Hitze wird unerträglich und die Kreuzritter müssen gegen den Durst und den Hunger kämpfen. Schließlich gelangt man aber doch noch nach Antiochia. Nach dreivierteljähriger Belagerung der befestigten Stadt, kann man sie 1098 endlich in Besitz nehmen, wenn gleich durch Verrat. Das Auffinden der Heiligen Lanze und der Drang der Kreuzfahrer nach Macht führt allerdings zum Streit zwischen Bohemund und Graf Rainmund. So kommt es dazu, das die Kreuzfahrer Antiochia gegenseitig belagern. Diesen internen Machtkampf kann Bohemund nach fünfmonatigen Gerangel jedoch für sich entscheiden. Kurz darauf macht er sich zum Fürsten von Antiochia, Das er damit eigentlich den Alexios Komnenos geschworen Eid bricht, interessiert ohnehin niemanden mehr, denn bereits im Frühjahr 1098 machte sich Balduin zum König von Edessa, das er nach einem Bittgesuch der dort lebenden armenischen Christen von den heidnischen Einflüssen befreite. Er gründete somit den ersten Kreuzfahrerstaat überhaupt.

1099 - der Beschützer des Heiligen Grabes

Das nun durch die vielen Abspaltungen stark geschrumpfte Heer setzt seine Reise nach Jerusalem jedoch fort. Am 15.07.1099 gelingt es Gottfried von Bouillon eine Bresche in die Mauer zu schlagen. Über Leitern strömt ein Teil des Heeres hinterher und öffnet die Stadttore. Die vierwöchige Belagerung hat somit nach einem fehlgeschlagenen Angriff auf die Stadt endlich ein Ende. In der Stadt metzeln die Kreuzfahrer alles nieder was sich ihnen in den weg stellt: Frauen, Kinder, Alte und Kranke, kurzum alle Nicht-Christen. Doch nach dieser Hetze zeigt sich auch ein anderes Bild der Kreuzritter: barfuß gehen sie zum Heiligen Grab, knien nieder und beten. Sieben Tage später wird Gottfried zum Beschützer des Heiligen Grabes ("advocatus sancti sepulchri") ernannt, den Titel König von Jerusalem lehnte er ab, obwohl er dies prinzipiell ist.

Die Folgen

Zunächst einmal ist der Erste Kreuzzug ein große Genugtuung für alle Christen gewesen, denn die Sarazenen und Türken wurden ja in der Schlacht Gottes von den Kreuzrittern besiegt. Außerdem weitete sich der europäische Einfluss bis nach Kleinasien aus, da sich ja ein Vasallenstaat (Königreich Jerusalem) mit drei unabhängigen Grafschaften (Edessa, Antiochia & Tripolis) bildete. Hinzu kam auch der Bau der mächtigen Kreuzfahrerburgen wie etwa das Krak des Chevaliers durch die verschieden Ritterorden (Johanniter, Templer & Deutscher Orden). Zu erwähnen wäre noch, das es den Kreuzrittern durch diplomatisches Geschick gelang bis etwa 1144 noch weitere Gebiete in Kleinasien unter ihre Kontrolle zu bringen.

 

Literaturangabe

Weltgeschichte - Kaiser und Kalifen (Orient, Abendland und Afrika im hohen Mittelalter) - Band 5 - Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh 1996; Herausgeber Heinrich Pleticha

Glanz und Elend des Mittelalters - Eine endliche Geschichte - Wolf Jobst Siedler Verlag Berlin, Sonderausgabe 1999, ©1987

Propyläen Weltgeschichte - Islam; Die Entstehung Europas - Band 5 - Propyläen Verlag (Verlag Ullstein GmbH) Frankfurt am Main - Berlin 1963

 

Copyright © 2000 Tobias Walter