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Geschichte
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Der antifaschistische Widerstandskampf im Kreis Zeitz

Einleitung: Das Zentralkomitee der KPD wandte sich im Mai 1932 an das werktätige Volk u. die Arbeiterklasse um eine antifaschistische Volksfront zu bilden. Trotz der Propaganda, gegen die KPD von "Rechts" stimmten am 6. November 1932 fast 6 Millionen Wähler für die KPD. Durch den antifaschistischen Widerstand gelang es auch in Zeitz die Nazis erheblich zurückzudrängen. Das Ziel bestand darin, alle Arbeiter, Bauern, den Mittelstand und Intellektuelle zusammenzuschließen, um gegen die Hitlerregierung vorzugehen. In der Industriestadt Zeitz wurde der Widerstand hauptsächlich von Arbeitern geführt.

Vorbereitungen: Zu den bereits 1932 eingeleiteten Maßnahmen wurde in der Ortsgruppe der KPD Zeitz in einer geheimen Sitzung in der Gaststätte Schuhmacherherberge bekanntgegeben, dass durch illegale Propaganda, Teillosungen und Forderungen, die Massen zum Kampf gegen den Faschismus angetrieben werden sollen. Hierbei forderte man die einzelnen illegalen Gruppen auf, sich zu einer einheitlichen Widerstandsfront zu formieren. Dies galt auch für die Jugend. Zeitz wurde in vier Stadtteile aufgeteilt, wobei jeder Stadtteil eine eigene Leitung erhielt. Auch in den Landgemeinden wie Zangenberg, Profen, Haynsburg wurde aktiv gegen den Faschismus gekämpft.

Propaganda: Einen großen Teil der Propaganda deckten illegale Zeitungen ab. Aber auch Flugblätter waren ein beliebtes Mittel der Werbung. Diese wurden aus Zeppelinen oder aus fahrenden Zügen geworfen oder einfach durch Radboten verteilt. Einen gewieften Trick wandten die Antifaschisten an, in dem sie Flugblätter auf Dächer legten. Stand der Wind nun günstig so wurden die Blätter in ganz Zeitz verteilt. Ebenfalls großer Beliebtheit erfreuten sich kleine Taschenbücher die aber nur mit einer Lupe gelesen werden konnten. Am wichtigsten waren für die Widerstandskämpfer persönliche Aussprachen. So wurden z.B. kleine Versammlungen in Betrieben gehalten oder man suchte das direkte Zwiegespräch. Bei dieser Form von Propaganda bestand jedoch die Gefahr des Verrats. Dadurch wurden solche Gespräche nur mit Vertrauenspersonen geführt. Gemalte Klebestreifen und Losungen sollten ihr übriges tun. In Zeitz bildete sich eine Aktionseinheit in der auch SPD Mitglieder tätig waren. Ihre ersten großen Maßnahmen waren:

1.- Eine Einheitsdemonstration von KPD, SPD, KJVD (kommunistische Jugendvereinigung Deutschlands), SAJ (sozialistische Arbeiterjugend) und Arbeitersportlern an der ca. 4000 Personen teilnahmen. Die Demo fand am 04.02.1933 in der Freiligrathstraße Stadt. Sie wurde von der Polizei zerschlagen.

2.- Eine weitere Einheitsdemonstration am 06.02.1933, an der wiederum ca. 4000 Personen teilnahmen. Viele Genossen nutzten diese Chance und richteten einige Worte an das Volk.

3.- Schon 2 Wochen später gab es erneut eine Kundgebung der Arbeiterklasse in der Freiligrathstraße. Ca. 12000 Personen nahmen auch an der anschließenden Demonstration teil, welche die Polizei vergeblich versuchte zu unterbinden. Erst nach großer Anstrengung und nachdem Lücken in der Formation entstanden gelang es der Polizei die Demonstration aufzulösen.

Weiterer Verlauf: Durch die innerliche Geschlossenheit der Organisationen gelang es der Gestapo bis März kaum in die Reihen der Widerständler einzudringen. Es wurden zwar zeitweise Verhaftungen durchgeführt aber die Verhafteten mussten nach kurzer Zeit, mangels Beweise, wieder freigelassen werden. Dazu kam, dass die illegalen Organisationen jedes Mal wenn Razzien durch die Gestapo anstanden von einem ehemaligen SPD Genossen, der von der Polizei zur Gestapo übernommen wurde, gewarnt wurden. Dieser wurde später zu 15 Jahren Haft verurteilt. Erst im März, Juli und August kam es zu weiteren Verhaftungen. Dabei wurden 36 Genossen zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Trotzdem ging der Kampf weiter. Besonders aktiv setzte sich hierbei Dr. Flörsheim ein. So holte er beispielsweise illegale Literatur mit seinem Auto aus der CSR das dann in Zeitz vertrieben wurde. Er betreute die Kämpfer gegen den Faschismus im medizinischen Bereich und rettete eine Genossin vor der Verhaftung, indem er sie in Sicherheit brachte. Flörsheim leitete eine Widerstandsgruppe. Im Zuchthaus in Halle wurde er ständig misshandelt. Seine Frau und seine Tochter wurden in Auschwitz ermordet. In Zeitz wurde des weiteren die "Rote Hilfe" ins Leben gerufen welche Angehörige von verhafteten Genossen unterstützte. Von Monat zu Monat wuchs die Anzahl von Widerstandsorganisationen in Zeitz. Die Gestapo setzte daher Spitzel ein um die Organisationen zu zerschlagen. Der Widerstandskampf im Kreis Zeitz verlief nicht isoliert, sondern mit Verbindungen zu anderen Widerstandskämpfern z.B. in Halle, Altenburg, Leipzig, Gera, Jena und im KZ Buchenwald. Diese Verbindungen wurden unter anderem von Dr. Agricola aufrecht erhalten, der deshalb im Januar 1945 von der SS ermordet wurde.

Maßnahmen der Gestapo gegen den Widerstand:

Die Gestapo führte weiterhin Razzien und Verhaftungen durch, um den Widerstand in Zeitz zu zerschlagen. Zu diesem Zweck wurden extra weitere Gestapo-Leute aus Halle und anderen Kreisen zur Verstärkung hinzugezogen. 1935 gelang es der Gestapo einen Spion (Luise Schröder) in den Widerstand einzuschleusen. Durch sie gelang es der Gestapo im März 1935 bei einer Versammlung in der "Gaststätte Reiche" ca. 250 Widerstandskämpfer zu verhaften. Unter den Festgenommenen befanden sich auch viele führende Mitglieder des Widerstandskampfes. Zu diesen Massenverhaftungen kam es nicht nur durch das Einschleusen von Spionen, sondern auch durch willkürliche Verhaftungen und darauffolgende Folterungen, wodurch viele Widerstandskämpfer verraten wurden. Im April 1936 begannen die Prozesse gegen die führenden Widerstandskämpfer in Magdeburg und Naumburg. Die Prozesse gingen mit hohen Zuchthausstrafen für die Widerstandskämpfer aus. Nach dem verbüßen der Strafen wurden viele in KZs verschleppt oder zur Strafdivision 999 eingezogen.

Weiterer Verlauf: Nach diesen blutigen Terroraktionen gab es keine Gesamtorganisation für den Widerstandskampf mehr. Jetzt arbeiteten Einzelpersonen und kleinere Gruppen in den Betrieben z.B. Bergbaubetriebe, Zekiwa am Widerstandskampf weiter. Sie verbreiteten mündlich die Sendungen illegaler Sender wie Radio Moskau und BBC London weiter, diese Tätigkeiten verstärkten sich nach Beginn des Zweiten Weltkrieges. Hierbei ermutigte besonders der Widerstand der Sowjetarmee die Widerstandskämpfer. 1942 erfolgte eine Neuorganisation des Widerstandes durch entlassene Häftlinge. So wurde nach der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad (St. Petersburg) auch der Widerstandskampf mit schriftlichem Material wie Klebestreifen und Losungen wieder aufgenommen. Auch Verbindungen nach Gera und Leipzig wurden neu geknüpft. Bis Oktober 1944 trafen über 4000 Zwangsarbeiter in Zeitz ein. Ihnen half der Widerstand durch Nahrungs- und Kleiderspenden, doch 1600 der Zwangsarbeiter starben. Auch diese Spenden waren illegal und nicht ungefährlich: "Hermann Rümmler erinnert sich, dass ein Pole als Zwangsarbeiter verschleppt und in Zeitz im ehemaligen Schützenhaus von den Faschisten gehenkt wurde, weil er Verbindungen zu einer Deutschen Frau hatte. Diese Frau wurde mit abgeschnittenen Haaren und einem Schild um den Hals durch Zeitz geführt, auf dem geschrieben stand: 'Bin eine polnische Hure'."(Seite 37 Zeile 1-5). So und auf andere Weise erfolgte die psychische Demütigung der Familien der Widerstandskämpfer, dennoch kämpften sogar verhaftete Widerstandskämpfer in den KZs weiter. Die Gestapo führte immerwieder Razzien und Verhaftungen durch und beschlagnahmte sogar das Vermögen vieler Widerstandskämpfer, um sie in den finanziellen Ruin zu stürzen. Trotzdem konnte der Widerstand bis zum Ende des Krieges erfolgreich fortgeführt werden, so dass sogar Wehrmacht und Volkssturmmänner aufgeklärt wurden, damit sie Zeitz nicht länger verteidigten: "Es ist mir bekannt, dass ein junger Zeitzer Bürger die Sprengung Überführung der Eisenbahnbrücke an der Zemag noch vor dem Einmarsch der Amerikaner durch das Durchschneiden des Kabels verhinderte." (Seite 44 Zeile 10-12).

 

Otto Dietzmann:

Sein Vater war Maurer und seine Mutter Saisonarbeiterin auf dem Rittergut in Zangenberg. Beide arbeiteten für Hungerlöhne, deswegen hatten ihre Kinder nur eine schlechte Schulbildung und mussten auch arbeiten. Weiterhin gab es nur sehr schlechte Wohn- und Arbeitsbedingungen. 1914 wird Otto Dietzmann von Hermann Boschitz über Karl Marx, Friedrich Engels, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg aufgeklärt. Sein Bruder stirbt im Krieg, dadurch erkennt er den Imperialismus usw. als Feind an und bereitet sich auf die Revolution des Proletariats vor. Er arbeitet als Schlosser und hilft bei der Novemberrevolution 1918, woraufhin er 1919 Vorsitzender der Ortsgruppe der IAH in Zangenberg wird. Er organisiert zahlreiche Versammlungen und verteidigt die Republik während des Kapp-Lütwitz-Putsches. Nach 1933 baut er im Hartgusswerk Ferina Heller in Leipzig eine antifaschistische Einheitsfront auf und fertigt Flugblätter an. 1935 wird er von der Gestapo verhaftet und 1938 nach Buchenwald verschleppt. 1940 wird er zum Strafbatallion 999 eingezogen, wo er politische Arbeit unter den Kriegsgefangenen betrieb, was er auch von 1945 - 1946 in Slowenien tat. Seit 1946 arbeitete er in der Kreisleitung der SED in Zeitz.

Walter Retterath:

Walter Retterath war der Sohn eines Tischlers. Er lernte Maurer und ging auf Wanderschaft, wobei er Elend, Not und Hunger, aber auch den Sieg von Arbeitern in Streiks kennenlernte. 1915 wurde er zum Heer eingezogen. Nach 1918 begann seine politische Arbeit in Zeitz. Er studierte dem Marxismus-Leninismus und nahm an Lehrgängen der KPD teil. 1933 wurde er verhaftet und erst 1945 durch die Amerikaner aus Buchenwald befreit. Er half beim Aufbau einer illegalen Parteileitung in Buchenwald und schmuggelte Waffen ins Lager. Nach 1945 begann sein erneuter politischer Aufstieg.

 

Copyright © 1998 Jens Bittner, Thomas Bräuer, Sven Döring, Tobias Spitzner