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Geographie
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Finnland als EU-Mitgliedstaat

Gliederung:

Vorstellung Finnlands (Geographie)  
Politik, Bevölkerung, soziale Lage, Bildung  
Geschichte / Tradition  
Wirtschaftsstruktur  
  Allgemeines
  Landwirtschaft
  Bodenschätze, Energie, Industrie
  Verkehrstruktur, Tourismus
Ziele und Rolle in der EU  
Literaturangabe  

Geographie Finnlands:

Finnland liegt im Norden Europas (Ausdehnung W-0: 550km, N-S: 1200km; Küstenlänge: 1100km) und bildet als östlichstes der skandinavischen Länder den Übergang von der Skandinavischen Halbinsel zum Nordrussischen Tiefland. So hat es mit Russland, dem östlichen Nachbarn die längste Staatsgrenze (1246 km). Im Norden grenzt es an Norwegen, im Nordwesten an Schweden und im Westen und Süden wird es von der Ostsee begrenzt. Finnland gehört zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas (5,15 Mill. EW (weniger als Hessen), Staatsfläche etwas kleiner als Deutschland: 338 145 km²); (Bevölkerungsdichte: 15 EW/km²; Bevölkerungszunahme: 0,4% im Jahr). Die Hauptstadt ist Helsinki mit 500 000 EW, Tampere (175 000 EW) gehört zu den größten Städten Finnlands und ist eine wichtige Industriestadt. Zigtausend Seen bedecken das Land und somit wird EL auch als das "Land der Tausend Seen" bezeichnet, kein anderer Staat Europas besteht aus soviel Wasseroberfläche (rund 60000 Seen - 10% der Landesfläche). Das Land unterscheidet sich geographisch stark von anderen Regionen Westeuropas - ausgedehnte Wälder (70% der Landesfläche; 3. größtes Waldland Europas) und eine gering belastete Natur. Dominierend sind das Tiefland (im Norden Lapplands streift es das Skandinavische Gebirge mit der höchsten Erhebung des Landes) und die stark gegliederte Küste (flache, breite Küstenebenen mit ca. 30 000 vorgelagerten Inseln). Das Klima ist geprägt durch einen kontinentalen Charakter mit subpolaren Ausprägungen (abhängig von der Entfernung vom Norden). Das bedeutet kurze, aber warme und relativ feuchte Sommer mit sehr langen Tagen und Temperaturen bis über 30C und lange, kalte Winter mit einer Dauerschneedecke und Temperaturen bis unter -30C. Die Niederschläge nehmen vom Süden nach Norden ab, ca. 1/3 fällt als Schnee. Polare Kaltlufteinbrüche verlängern den Winter oft erheblich und in Lappland dauert die Polarnacht bis zu 2 Monaten.

Politik. Bevölkerung, soziale Lage und Bildung:

Regierungschef: Paavo Lipponen (seit '95) Staatsoberhaupt: Martii Ahtisaari (seit '94)

Die finnische Verfassung trat 1919 in Kraft und wurde 1988 zum letzten Mal verändert. Danach ist EL eine parlamentarische, demokratische Republik. (Staats- u. Regierungsform: Präsidiale Republik) Spitze des Landes (Staatsoberhaupt) ist der für 6 Jahre direkt vorn Volk gewählte Staatspräsident, der gemeinsam mit dem Parlament, dem Reichstag die Legislative bildet. Der Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte u. ernennt den Ministerpräsidenten sowie die Minister (Staatsrat). Legislative ist das Einkammerparlament (Reichstag); seine 200 Abgeordneten werden direkt für 4 Jahre gewählt. Das angewandte verhältniswahlrecht fördert das finnische Mehrparteiensystem. Gegen die Gesetze des Reichstags kann der Staatspräsident sein Veto einlegen, das Parlament kann nur dem Staatsrat sein Misstrauen aussprechen. PL ist in 12 Verwaltungsprovinzen (lääni) gegliedert, an deren Spitze steht jeweils ein vom Staatspräsidenten ernannter Landeshauptmann (außer den weitgehend autonomen Alandinseln).

Finnland ist Mitglied folgender Organisationen: LJN; OECD; Nordischer Rat; EU; Europarat; OSZE. Die Bevölkerung konzentriert sich im südlichen Landesteil, 92% sind Finnen, 7% sind Schweden; Samen (Lappen). Rd. 60% der Finnen wohnen in Städten (Urbanisierung 90%). Samen (ca. 2000) leben vorwiegend im Norden; auf den Alandinseln befindet sich eine rein schwedische Bevölkerung. Die verbreiteten Sprachen sind Finnisch und Schwedisch (beides Amtssprachen) und die finnisch-ugrische Sprache der Lappen. Die finnisch protestantische Kirche ist die drittgrößte der Welt, fast 90% gehören ihr an. (88% der Bevölkerung sind Christen: Bekennung zur evangelisch-lutherischen Staatskirche, 1% orthodoxe Kirche Finnlands; ca. 10% sind Konfessionslose). (Finnland wurde ab Mitte des 12. Jahrhunderts von Schweden christianisiert.)

Die Finnen haben einen hohen Lebensstandard, das staatliche Sozialsystem und die Gesundheitsfürsorge sind umfassend. Es besteht Schulpflicht für alle 7-16 Jährigen (Alphabetisierung: 99%); die Hälfte der Jugendlichen erwerben heute das Abitur. Finnland verfügt über 21 Hochschulen und Universitäten.

Geschichte / Tradition Finnlands:

Die Urbewohner Finnlands heißen Lappen, diese wurden allerdings bis zum 9. Jahrhundert von finnischen Völkerstämmen verdrängt, die vermutlich aus Mittelrussland kamen. Die Geschichte Finnlands kann man in 3 große Abschnitte einteilen: Finnland als schwedische Provinz (ab 12. Jahrhundert), Finnland unter russischer Herrschaft (ab 1809) und das selbstständige Finnland (1917). Nach einer Frühphase schwedischer Vorherrschaft ist die finnische Geschichte eng mit der russischen verbunden, denn Russland besetzte das Land für mehr als 100 Jahre. (Russland beließ dem Land aber innere Selbstständigkeit und die Ständeverfassung.)

Finnischer Nationalsozialismus:

Als Russland Finnlands Autonomie beseitigte erhob sich der nationale Widerstand. Nach der Machtübernahme der Bolschewik! in Russland erklärte sich das Land am 06. 12. 1917 (Nationalfeiertag) für unabhängig (russische Oktoberrevolution beendete Russifizierung und Unterdrückung des Landes.

Am 17. 06. 1919 unterzeichnete Reichsverweser von Mannerheim eine republikanische Verfassung; Russland anerkannte 1920 die Unabhängigkeit Finnlands. Es verlor in dem von der SU begonnenen >Winterkrieg< 1939/40 ca. 1/10 seines Gebietes, Finnland musste erhebliche Reparationen an das Nachbarland zahlen. Ab 1941 kämpfte Finnland auf Seiten Deutschlands und musste 1944 nach einer großen Niederlage den Gebietsstand von 1940 akzeptieren. Nach dem Krieg bemühte sich das Land bei Wahrung seiner Neutralität um ein gut nachbarschaftliches Verhältnis zum Osten u. eine enge Anlehnung an die nordischen Staaten. 1948 schloss Finnland einen Freundschafts- und Beistandspakt mit der SU ab und die militärische Neutralität verhinderte lange eine Annäherung Finnlands an Westeuropa. (1973 Treffen der KSZE - Staaten in Helsinki - Helsinki-Schlussakte) Die enge Kooperation mit der SU und sozialistischen Ländern förderte die wirtschaftliche Entwicklung des Landes; SU war wichtigstes Exportland und Erdöllieferant. Aus dem Agrarstaat Finnland, der Holz- und Holzprodukte exportierte, wurde ein moderner Industriestaat, der auch in der Unterhaltungselektronik, Chemie- u. Hochtechnologie international präsent ist. Finnland nutzte einen großen Teil des Reichtums zum Ausbau eines stabilen, sozialen Netzes, der Zusammenbruch des sozialistischen Staatssystems traf Finnland von allen marktwirtschaftlich orientierten Ländern am härtesten.

Durch Verlust der Arbeitsmärkte und durch globale Wirtschaftsschwäche in Westeuropa machte sich gleichzeitig eine Strukturkrise in der finnischen Wirtschaft bemerkbar. Binnen 3 Jahren stieg die Arbeitslosenquote von 4% auf 20%. Zinssenkungen und der Beitritt der EU (1995) sollen die Wirtschaftslage in Finnland wieder stabilisieren.

Wirtschaftsstruktur:

Währung: l Finnmark (Fmk) = 100 Penniä (p)

Dienstleistung: 63% Industrie (produzierendes Gewerbe): 32% Forst- u. Landwirtschaft: 5%

wichtigste Handelspartner: Deutschland; Schweden; Großbritannien; Russland

BSP/Kopf: 23 240 $ ('96) Inflation: 1,1% ('97)

Arbeitslosenrate: 14,8% ('97) Jugendarbeitslosigkeit: 27,5% ('97)

Haushaltsdefizit: 0,9% ('97)

Staatsverschuldung: 55,5% des BIP ('97) Neuverschuldung: 1,9% des BIP ('97)

Seit rascher Industrialisierung nahm Finnland einen beständigen Aufschwung; das Land geriet Anfang der 90er Jahre allerdings in eine schwere Strukturkrise. In den letzten Jahren hat sich der Dienstleistungssektor, auch durch den anwachsenden Fremdenverkehr, stark entwickelt. Finnland ist bestrebt die traditionell guten Wirtschaftsbeziehungen zu Osteuropa wiederzubeleben. Seit 1997 trat ein Investitionsboom in der finnischen Wirtschaft ein. (Wirtschaftswachstum: 2,4%; bei den Ausrüstungsinvestitionen nahm Finnland zwischen 1995 und 1996 mit einer Steigerung um 40% die Spitzenposition unter allen Industrieländern ein). Zahlreiche Fährlinien verbinden Finnland mit anderen Ostseeländern. Das Verkehrsnetz ist gut ausgebaut, nach Norden jedoch auf wenige Trassen konzentriert.

Landwirtschaft:

Landwirtschaft spielt aufgrund der klimatischen Bedingungen eine untergeordnete Rolle. (Wolle - Schafe - Textilindustrie) 8% der Fläche können landwirtschaftlich genutzt werden, angebaut werden u.a. Getreide, Kartoffeln und Rüben. Wichtiger ist die Viehhaltung mit Schwerpunkt auf der Milchwirtschaft. Die Forstwirtschaft spielt aufgrund der großen Waldbestände eine bedeutende Rolle und die holzverarbeitende Industrie bildet die Grundlage der finnischen Wirtschaft, große Bedeutung hat die finnische Möbelherstellung.

Bodenschätze, Energie und Industrie:

Finnlands natürliche Reichtümer sind riesige Waldbestände, Wasserkraft der Flüsse sowie Eisen- und Kupfererzlagerstätten. Unter den riesigen Minerallagerstätten werden abgebaut Eisen-, Kupfer-, Nickel-, Zink- und Vanadiumerze. Heimische Energieträger sind Wasserkraft (Wasserkraftwerke produzieren preiswerten Strom), Holz und Torf. Atomkraftwerke erzeugen 16% des Strombedarfs. Steinkohle und Erdöl müssen importiert werden. Wichtigste Industriebranchen: Metallindustrie, Maschinen- und Schiffbau, Holzverarbeitung. Die Industrie konzentriert sich vor allem auf die südlichen u. westlichen Küstenbereiche.

Handel:

Hauptexportprodukte: Holz, Papier, Zellulose, aber auch Maschinen, Metallwaren und Schiffe prägen die Exportstruktur. Eingeführt werden müssen vor allem Maschinen und Fahrzeuge sowie Erdöl und Rohstoffe.

Verkehr / Tourismus:

Straßennetz (Länge: ca. 76000 km) ist zur Hälfte asphaltiert. Das weitmaschige Eisenbahnnetz (rund 6000 km) ist fast ganz auf den Süden beschränkt. Flüsse und Seen dienen der Holzflößerei von Bedeutung ist der internationale Seeverkehr. Einen internationalen Flughafen gibt es bei Helsinki (Vantaa). Touristisch attraktiv sind die Weite und Einsamkeit der Landschaft sowie die zahlreichen Wassersportmöglichkeiten.

Ziele und Rolle in der EU:

FL ist seit dem 01.01.1995 Mitglied in der EU: die militärische Bündnisfreiheit sollte aber weiterhin strikt beibehalten werden. Es befinden sich keine europäischen Institutionen in FL. Die weitere wirtschaftliche und politische Integration in die Europäische Union war 1997/98 das beherrschende Thema. Die Einbindung Finnlands in die europäischen Wirtschaftsstrukturen begünstigte dabei eine positive Wirtschaftsentwicklung. Der finnische Reichstag beschloss im November 1997 den Beitritt zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (Teilnahme von 11 Ländern), die den EURO als gemeinsame, einheitliche Währung vorsieht.

Die Volkswirtschaft erfüllt nach anhaltend starkem Wirtschaftswachstum sämtliche Stabilitätskriterien für den Beitritt zur Union. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete der nach einem Einbruch Anfang der 90er Jahre wieder intensivierte Warenaustausch mit Russland.

Die Chefin der finnischen Zentralbank, Sirkka Hämäläinen, wurde in den Europäischen Zentralbankrat gewählt.

- Anteil der EU Haushalt-Beilage Finnlands betrugen l ,4%

- Rat der EU: Stimmen Finnlands: 3

- Europäische Kommission: Mitglied Finnlands: Erkki Liikanen >> Aufgabenbereich: Haushalt, Personal, Verwaltung

- Europäisches Parlament: Sitzverteilung: Finnland 16 Sitze

- Ausschuss der Regionen: Mitglieder: Finnland 9

- Finnland wird durch 62,5% Frauen im Europaparlament vertreten.

Finnland hat zur Zeit die EU Ratspräsidentschaft inne, die halbjährlich wechselt:

Finnland: vom 01.07. bis 31.12.1999.

>> Aufgaben: Rat der Minister einzuberufen und dessen Sitzung und Verhandlung zu leiten.

Finnland war auch Teilnehmer am Schengener Abkommen, das u. a. die Regelung der Zollkontrollen

umfasste.

 

Literaturangabe:

- Harenberg Lexikon Verlag. Aktuell '99 Harenberg Lexikon der Gegenwart. Verlags- und Medien GmbH & Co. KG. Dortmund 1998.

- Die Erde - Basiswissen für die Schule. Dr. Christoph Schneider. Sonderausgabe 1999. Neuer HONOS Verlag.

-Europa - Ein Kontinent und seine Staaten. Sonderausgabe für Bertelsmann Lexikothek. Verlag für Bildungssysteme GmbH 1997. Schaffmann und Kluge Verlag Berlin 1995.

- Alle Länder unserer Welt. ADAC Lexikon. ACDAC Verlag München, Verlagshaus Stuttgart. Bertelsmann GmbH München. Juli 1998.

Copyright © 1999 Kristin Thierfelder