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Geographie
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Braunkohleförderung und -verarbeitung

Tagebaugeschichte:

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts verwendeten Bauern aus der Region Zeitz-Weißenfels die braunen Steine, die sie auf den Feldern fanden, zum Feuermachen. Durch die später auftretende Holzknappheit waren sie zu Grabungen gezwungen, um Brennmaterial zum Heizen und Kochen zu Gewinnen. Dadurch entstanden die sogenannten "Bauerngruben". Daraufhin begann man Kohle in größeren Mengen zunächst im Tiefbau und ab 1927 auch im Tagebau abzubauen.

Der Tagebau:

Tagebaue entstanden vor allem in Regionen, in denen Bauern bereits traditionell die Kohle im Gegensatz zum Feuerholz zur Energiegewinnung nutzten. Der Tagebau stellt eine der größten vom Menschen geschaffen Veränderungen der Erdoberfläche dar, entsprechend intensiv sind auch die Vorbereitungen, die für den aufwendigen Abbau der Kohle getroffen werden müssen. Von der Erkundung geeigneter Förderungsgebiete durch Geologen bis zur Aufschließung (Inbetriebnahme) eines Tagebaus vergehen somit ca. zwanzig bis dreißig Jahre.

Aus 100 bis 200 Bohrkernen, die aus Bohrungen, Erdspalten und Höhlen gewonnen werden, kann der Geologe ein geologisches Profil der Umgebung erstellten. Anhand dieses Profils kann man aufgrund der Informationen über Schichtaufbau, vorhandene Kohlemenge und Grundwasser einen Abbauplan für den künftigen Tagebau aufstellen. Bevor mit dem Abbau der in 30 bis 200 Meter Tiefe liegenden Kohle begonnen werden kann, müssen zunächst Flüsse in der Nähe des Tagebaus verlegt, Straßen- und Gleisanbindungen sowie Verarbeitungs- und Verwaltungsgebäude geschaffen werden. Nach der ca. zwei Jahre dauernden Entwässerung, die zur Absenkung des Grundwasserspiegels unterhalb der Abbaustätte notwendig ist, beginnt man mit der Abtragung des weiterverwendbaren Mutterbodens. Danach kann man einen graben anlegen, mit dessen Hilfe ein Arbeitsbagger die verschiedenen Sohlen (Arbeitsebenen) eines Tagebaus aushebt. In der entstehenden Grube beginnen daraufhin speziell für den Tagebau konstruierte Schaufelrad- und Eimerkettenbagger mit dem Abbau der Kohle.

Der Großtagebau in unserer Region begann 1927. Ein heute noch existierender Tagebau ist der Tagebau Profen, für dessen Ausbreitung zwischen 1932 und 1983 sieben Umsiedlungen angrenzender Dörfer durchgeführt werden mussten. Heute besitzt er mit sechs Bandwagen, vier Schaufelrad-, fünf Eimerketten-, vier Löffelbaggern, einem Absetzer, 30km Bandanlage, 132km Gleisanlagen und 600 Arbeitern ein Fördervolumen von zehn Millionen Tonnen Kohle pro Jahr.

Kohleverarbeitung:

Ein Stück Rohkohle aus dem Tagebau ist ein feuchter, hell- bis dunkelbrauner Brocken, der hauptsächlich in Kohlekraftwerken zur Erzeugung elektrischen Stroms verwendet wird.

Die Rohkohle wird aber auch zu Koks, Gas und Briketts veredelt. Man gebraucht sie zur Herstellung verschiedenster Produkte, beispielsweise Farbe, Schuhcreme, Schmierfette, Plastik, Kerzen, Seife und Waschmittel. Da sie früher in großem Umfang zur Beheizung von Privathaushalten genutzt wurde, als Rohkohle dafür allerdings zu feucht und zu stark verunreinigt war, verarbeitete man sie zu feuchtigkeitsreduzierten, verdichteten Stückchen, sogenannten Briketts weiter.

Brikettproduktion:

Zwischen 1888 und 1959 wurden in der Brikettfabrik Herrmannschacht Zeitz aus der geförderten Rohkohle Briketts mit einem wesentlich höheren Brennwert als Rohkohle hergestellt. Im Nassdienst wurde die Kohle gereinigt und danach aufgebrochen (zerkleinert), so dass reiskorngroße Bruchstücke entstehen. In einem Tellertrockner wird der Wassergehalt der Kohle bei 50C von 45% auf 18% reduziert. Das getrocknete Kohlenpulver wird daraufhin in einer Presse zu einem Brikett verdichtet.

Kohlekraftwerke:

Heutzutage geförderte Rohkohle wird vor allem zur Energiegewinnung für die Industrie und Privathaushalte genutzt. Moderne Kraftwerke erzeugen zwischen 800MW und 1000MW. Der Wirkungsgrad konnte gegenüber den in den 70er Jahren erbauten um 9,7% verbessert werden. Durch das höhere Umweltbewusstsein der letzten Jahre wurden die Kraftwerke weiter verbessert und beispielsweise mit einer Rauchgasentschwefelungsanlage zur Verringerung des Schadstoffausstoßes versehen. In unserer Region sind das Kraftwerk Deuben und das Kraftwerk Lippendorf die größten Energielieferanten.


Copyright © 2000 Sven Döring