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Kabale und Liebe

Friedrich von Schiller

Charakteristik des Sekretärs Wurm:

Sekretär Wurm spielt in Friedrich von Schillers Drama „Kabale und Liebe“ die Rolle des Haussekretärs des Präsidenten von Walter. Als sein Sekretär ist er dessen engster Mitarbeiter und somit auch sein Vertrauter. Er führt jedoch nicht nur dessen Befehle aus, sondern betreibt selbst seine Intrigen, die er durch seine Verbindung zum Präsidenten durchsetzen kann. Seine Vertrautheit zu diesem zeigt sich durch seine Kenntnis des größten Geheimnisses des Präsidenten, die Mittel die dieser angewendet hat um sein Amt, seine Position zu erhalten (siehe 3.Akt/1.Szene). In dieser Szene beweist Wurm seine Intelligenz und Listigkeit, denn er versteht es besser, als der in der Hofkunst geübte Präsident, Informationen über seine Gegner anzuhäufen und diese zu seinem Vorteil zu nutzen. Außerdem besitzt Wurm eine sehr gute Menschenkenntnis, wodurch er von der Eifersüchtigkeit des Majors weis. Alle diese Eigenschaften kommen Wurm bei seiner Karriere am Hof zu gute. Er versteht es, wie es zur damaligen Zeit üblich war, sich mit dem gerade Mächtigen gut zu stellen und die Furcht der anderen vor einem Verlust ihrer Macht, zu seinen Gunsten auszunutzen. Diese Charaktereigenschaften vermittelt Schiller dem Leser bereits durch die geschickte Wahl des Namens. Er vergleicht diesen Menschen mit einem Wurm, der unter der Erde lebt und den Boden durchwühlt. Somit bekommt der Leser sofort den Eindruck, dass Wurm ein Mensch ist, der andere hintergeht und hinter deren Rücken seine Machenschaften treibt, aber gleichzeitig denen, die mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen, den Mächtigen, zu Füßen liegt. Zudem gibt Schiller Wurm ein Aussehen, das jeden Betrachter erschrecken und die Gefährlichkeit dieses Mannes erahnen lässt. Miller sagt über ihn (siehe 1.Akt/2.Szene). „Die kleinen tückischen Mausaugen – die Haare brandrot – das Kinn herausgequollen, gerade als wenn die Natur für purem Gift über das verhunzte Stück Arbeit meinen Schlingel da angefaßt und in irgendeine Ecke geworfen hätte.“ So gut sich Wurm auch in der Welt des Adels zurechtfinden mag, desto weniger kommt er mit der Welt seiner Herkunft, der Welt des Bürgertums zurecht. So versucht er, um an Luise heranzukommen, eine Verbindung mit ihrem Vater einzugehen, weil er glaubt, dass dieser genug Macht über seine Tochter hat, um sie zu einer Heirat mit dem gesellschaftlich gut gestellten Sekretär zu überreden, ähnlich wie die Zweckverbindungen bei Hofe. Er schafft es allerdings nicht auf diese höfische Art und Weise den bürgerlichen Vater für sich zu gewinnen. Miller sagt ihm dies, wie im Bürgertum üblich, ins Gesicht: „Ich rate meiner Tochter zu keinem – aber Sie missrate ich meiner Tochter, Herr Sekretarius. [...] Einem Liebhaber, der den Vater zu Hilfe ruft, trau ich – erlauben Sie – keine hohle Haselnuss zu.“ Wurm verkraftet diese direkte Kritik nicht. Ihm bleibt nichts weiter übrig, als sich der gewohnten Intrigen zu betätigen, um doch noch an Luise heranzukommen. Zu diesem Zweck muss er die Liebe zwischen Luise und Ferdinand zerstören. Er trägt sie in die Öffentlichkeit und mit viel Einfühlungsvermögen für die Situation gelingt es Wurm den Präsidenten in seiner Verzweiflung zu einer List zu überreden (siehe 3.Akt/1.Szene). Er nutzt die Eifersüchtigkeit Ferdinands und die Liebe Luises zu ihrem Vater, so dass seiner Heirat mit Luise letztendlich nichts mehr im Wege steht, und diese sogar nach Erbarmung aussieht. Allerdings scheitert Wurm in seinem Vorhaben, da er nicht damit rechnet, dass Ferdinands Wertvorstellungen höher sind, als die sonst am Hofe üblichen Moralvorstellungen (siehe 1.Akt/7.Szene).

 

Copyright © 1999 fys ( Sven Döring )